Genossenschaften als praktische Notwendigkeit: das BICS beim 40-jährigen Jubiläum des BzFdG

Am 19. März 2026 feierte der BzFdG — der Bundesverband zur Förderung des Genossenschaftsgedankens — sein 40-jähriges Bestehen mit einer ganztägigen Tagung in Berlin.Die Veranstaltung brachte Politikerinnen und Politiker, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Praktikerinnen und Praktiker sowie Engagierte zusammen, um vier Jahrzehnte Genossenschaftsförderung zu bilanzieren und den Blick auf die Zukunft zu richten.

Das Programm eröffnete mit Begrüßungsworten von Jan Kuhnert, dem Vorsitzenden des BzFdG, sowie dem ehemaligen Präsidenten Dr. Christoph Zöpel. Dr. Burghard Flieger beleuchtete die Geschichte des Verbandes als Inkubator für Innovation und genossenschaftliche Vielfalt. Am Nachmittag diskutierten Vertreterinnen und Vertreter verschiedener politischer Parteien über die gesellschaftliche Bedeutung des Genossenschaftsgedankens. Den Abschluss bildeten eine Fishbowl-Diskussion zu den Rahmenbedingungen einer zukunftsfähigen Genossenschaftsidee sowie ein Ausblick auf die künftige Arbeit des BzFdG.

Prof. Dr. Markus Hanisch eröffnete seinen Vortrag mit einer nüchternen Diagnose der strukturellen Herausforderungen unserer Zeit. Der Generationenvertrag — der gesellschaftliche Pakt, durch den jede Generation die vorherige im Alter trägt — steht unter Druck in einer alternden Gesellschaft, in der das Vertrauen in öffentliche Institutionen schwindet. Junge Familien können sich Wohneigentum kaum noch leisten. Die langfristige Versorgungssicherheit mit Energie und Wasser ist nicht mehr selbstverständlich. Inflation und wirtschaftliche Volatilität haben die Kaufkraft vieler Haushalte geschwächt.

In einer Welt der Instabilität ist das Genossenschaftsmodell keine utopische Hoffnung — es ist eine praktische Notwendigkeit.

Vor diesem Hintergrund skizzierte Hanisch Visionen, die er als gesellschaftlich breit geteilt betrachtet: gute und flexible Arbeit, menschenwürdige Pflegesysteme für eine alternde Bevölkerung, stabile Preise für Güter des täglichen Bedarfs sowie eine Wirtschaft, die auch für kleine und mittlere Unternehmen tragfähig bleibt. Dies seien keine radikalen Forderungen, betonte er — sondern Grunderwartungen, die bestehende Strukturen zunehmend nicht mehr erfüllen.

Im zweiten Teil des Vortrags entwickelte Hanisch Gestaltungsprinzipien. Er unterschied zwischen bloßer Koordination — dem Aushandeln konkurrierender Interessen von außen — und echter Kooperation, die gemeinsame Ziele, gegenseitiges Vertrauen und kollektive Verpflichtung voraussetzt. Genossenschaftliche Institutionen besitzen eine besondere Fähigkeit, die Lücke zwischen staatlicher Daseinsvorsorge und Marktlogik zu schließen — insbesondere bei der Versorgung mit Energie, Wohnraum und Pflege.

Hanisch betonte zudem, dass die Genossenschaftsidee bereits tief in der deutschen Gesellschaft verwurzelt ist — oft ohne unter diesem Begriff zu firmieren. Wohnprojekte, Energiegemeinschaften, Solidarnetzwerke und Pflegekollektive verkörpern genossenschaftliche Werte — Selbsthilfe, Selbstverwaltung und gemeinsame Verantwortung —, unabhängig davon, ob sie formal als Genossenschaften eingetragen sind. Die Aufgabe der Genossenschaftsbewegung bestehe darin, diese Ausdrucksformen zu erkennen, zu stärken und institutionelle Starrheit zu überwinden, die einer Anpassung an neue Sektoren und Mitgliedschaftsformen im Wege steht.

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