IfG veranstaltet internationalen Workshop zu Mitgliedschaft in Genossenschaften

Autorinnen/Autoren: Gereon Wintz und Kira Lutz

Datum 18.10.2026

Am 5. Oktober bildete der ehrwürdige Marmorsaal im Hauptgebäude der HU die Kulisse für eine alles andere als angestaubtezukunftsgewandte Veranstaltung. Auf Einladung des Instituts für Genossenschaftswesen Berlin kamen Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Praxisvertreter aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, um einige der drängendsten Fragen zur Zukunft der Mitgliedschaft in Genossenschaften zu diskutieren. Der Workshop war Teil unseres Forschungsprojekts zu Mitgliedschaftsstrategien im Bankensektor und darüber hinausdas vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) gefördert wird. 
 

Ein intensiver Tag des Erfahrungsaustauschs und der Diskussion gemeinsamer Herausforderungen wurde von Markus Hanisch eröffnet, Professor an der HU und Koordinator des Projekts. Er warf die Frage auf, warum Genossenschaften überhaupt aktive Mitglieder brauchen. Diese Frage gab den Ton für die folgenden Vorträge und Diskussionen vor.

 

Subrahmanyam Bhima, Präsident der International Cooperative Banking Association, steuerte eine internationale Perspektive bei und skizzierte nationale Trends in der Entwicklung von Mitgliedschaftsstrategien. Andreas Bley, Chefvolkswirt des BVR, widmete sich den Herausforderungen, vor denen deutsche Genossenschaftsbanken derzeit bei der Mitgliedschaft stehen. Am Nachmittag führte Hans Groeneveld, Professor für Finanzgenossenschaften an der niederländischen Universität Tilburg (NL), das Publikum durch den Fall der Rabobank in den Niederlanden. Mathias Fiedler, Vorstandsmitglied des Zentralverbands deutscher Konsumgenossenschaften, rundete das Bild ab, indem er ausführte, wie Mitgliedschaft mit Nutzen, Zweck und Mitsprache für die Mitglieder verknüpft werden sollte.

 

Ein Kernstück der Veranstaltung waren sechs Arbeitsgruppen zu zentralen Fragen der Mitgliedergewinnung und -bindung, die in unserer vorangegangenen Forschung identifiziert worden waren. Jede Gruppe ging von einem kurzen Impuls eines unserer Teilnehmenden aus. Charlotte Castille stellte die Mitgliedschaftsstrategien und -angebote von OurCoop aus Großbrittanien (UK) vor, und Nele Janisch von Neonblau, der hauseigenen Jugendberatung des BVR, sprach darüber, wie junge Menschen für Genossenschaftsbanken in Deutschland gewonnen werden können. Francesco Carfì erklärte, wie die italienische Banca Etica (IT) greifbaren Mehrwert in ihrem lokalen Umfeld schafft und kommuniziert. Przemysław Piasecki von der Universität Posen (PL)in Polen fragte, wie Beschäftigte dazu beitragen können, genossenschaftliche Werte zu leben. Nick Mäuser von der Universität zu Köln untersuchte, wie Beteiligung geschaffen und gestärkt werden kann, und Kira Lutz vom BICS erkundete, wie Genossenschaften Allianzen mit anderen Genossenschaften und ähnlichen Organisationen aufbauen können.

 

Die Gruppendiskussionen profitierten von der Bandbreite der Hintergründe im Raum und dem reichen praktischen Erfahrungsschatz der Teilnehmenden. Gemeinsam identifizierten sie zentrale praktische Herausforderungen zu den Themen und erörterten mögliche Lösungen und Best Practices. Trotz der großen thematischen Bandbreite kehrten einige Gemeinsamkeiten immer wieder. Viele Genossenschaften haben nach wie vor Schwierigkeiten, wahrgenommen und verstanden zu werden. Es bleibt daher notwendig, zu erklären, was Genossenschaften sind und wie sie funktionieren, am besten in einer zugäanglichen und anschaulichen Sprache statt in veraltetem Fachjargon. Ebenso zentral, um nicht an Relevanz zu verlieren, ist es, die Bedürfnisse aktueller und potenzieller Mitglieder zu erkennen und glaubwürdig zu adressieren. Aktive Mitgliederbeteiligung wurde hierzu als wirkungsvolles Mittel diskutiert.

 

Die Erkenntnisse aus den Diskussionen fließen in die nächste Projektphase ein, einen Bericht zu Mitgliedschaftsstrategien für Genossenschaftsbanken, der in den kommenden Monaten erscheinen soll.

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